Danmarks Radio wagt ein journalistisches Experiment – vier Tage lang
Vom 27. bis zum 30. Juli 2026 räumt Danmarks Radio seinen gewohnten Sendeplan frei, um Platz für etwas Ungewöhnliches zu schaffen. Das traditionsreiche Nachrichtenmagazin »Deadline« stellt in dieser Woche ein erweitertes Interviewkonzept vor, bei dem Moderator Clement Behrendt Kjersgaard prominente Persönlichkeiten zu ausführlichen Gesprächen in den DR-Byen empfängt.
Die Redaktion begründet das Vorhaben mit einem Medienbetrieb, der zunehmend von schnellen Schlagzeilen dominiert wird – auf Kosten des Raums für tiefgründige gesellschaftliche Debatten.
75 Minuten Tiefeninterview auf P1 und in der App DR Lyd
Das neue Format verbindet Fernsehen und Podcast auf eine bisher ungewohnte Weise. Die Gespräche werden in voller Länge von über eineinhalb Stunden aufgezeichnet. Fernsehzuschauer erhalten auf DR1 und DRTV eine 30-minütige, redaktionell bearbeitete Fassung, während Hörerinnen und Hörer auf P1 sowie in der App DR Lyd Zugang zu den vollständigen 75-Minuten-Versionen bekommen – als vier Sonderfolgen des Nachrichtenmagazins »Akkurat«.
„Es gibt im Jahr 2026 mehr ‚Inhalte‘ von neuen und alten Medien als je zuvor – und trotzdem: ein auffälliger Mangel an Raum, um über die größten und schwierigsten Fragen unserer Zeit zu sprechen“, erklärt Clement Behrendt Kjersgaard, Studiomoderator und Ideengeber hinter dem Konzept bei DR.
Er betont, dass das lange Format erlaubt, ungestört zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu wechseln – ganz im Rhythmus des Gesprächs.
Prominente Gesellschaftsakteure zu Gast im DR-Byen
Die ersten vier Ausgaben des neuen Konzepts präsentieren eine Reihe bekannter Stimmen aus der öffentlichen Debatte. Zu den Gästen zählen:
- Margrethe Vestager – ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der DTU
- Henrik Dahl – Politiker
- Lone Frank – Wissenschaftsjournalistin
- Lea Korsgaard – Chefredakteurin
„Es ist gewissermaßen eine Rückkehr zu klassischen journalistischen Tugenden des tiefgründigen Interviews – und gleichzeitig ein Vorschlag für völlig neue Wege, Journalismus zu vermitteln“, sagt Jonathan Kargaard, Redaktionsleiter von Deadline bei DR.
Er hebt hervor, dass die Produktion bewusst auf das herkömmliche Modell mit einem einfachen Kamerastativ im Radiostudio verzichtet und stattdessen ein eigenständiges Fernseh- und Hörerlebnis schafft.
Gesellschaftliche Debatte und demokratischer Austausch im digitalen Zeitalter
Die Auseinandersetzung mit komplexen Themen spielt eine zentrale Rolle für die politische Bildung und demokratische Teilhabe. Tiefgründige Interviews können dazu beitragen, diesen Raum wieder zu öffnen.
Dabei gilt: Der persönliche Nutzen politischer und kultureller Debatten variiert von Mensch zu Mensch. Ein ausgewogenes Bild der gesellschaftlichen Lage entsteht am besten durch den Blick in mehrere unabhängige Nachrichtenquellen.
Die erste Sonderfolge der neuen Reihe wird am Montag, den 27. Juli um 17:30 Uhr auf DR1 ausgestrahlt – mit Margrethe Vestager als erstem Gast im Studio.










