Ab diesem Samstag gelten völlig neue Regeln für das begleitete Fahren
Wer demnächst zum ersten Mal hinter dem Steuer sitzt oder als Begleitperson auf dem Beifahrersitz Platz nehmen möchte, sollte jetzt genau aufpassen. Ab diesem Samstag tritt ein grundlegend überarbeitetes Regelwerk für das private Begleitfahren in Kraft – und die Änderungen sind weitreichend.
Die wohl bedeutsamste Neuerung: Der bislang verpflichtende Einführungskurs für private Begleitpersonen wird vollständig abgeschafft. Darüber hinaus wird es künftig deutlich unkomplizierter, flexibel zwischen verschiedenen Begleitern aus dem Familien- oder Freundeskreis zu wechseln.
Während die Behörden darauf hoffen, dass Fahrschüler dadurch einfacher an wichtige Fahrpraxis gelangen, äußern professionelle Fahrlehrer erhebliche Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit.
Mehr Fahrpraxis durch die neuen Regelungen
Konkret bedeutet die Reform, dass künftige Begleitpersonen kein vorgeschriebenes Vorbereitungsseminar mehr absolvieren müssen. Die formelle Anmeldung bleibt jedoch nach wie vor zwingend erforderlich. Bevor die erste gemeinsame Fahrstunde beginnen kann, muss die Begleitperson von den zuständigen Verkehrsbehörden offiziell zugelassen werden.
Das zentrale Ziel dieser Gesetzesänderung ist es, Fahrschülern bessere Voraussetzungen zu schaffen, um echte Routine im realen Straßenverkehr aufzubauen. Die Zahlen sprechen dabei eine deutliche Sprache: Mehr als die Hälfte aller Prüflinge scheitert derzeit an der abschließenden Fahrprüfung. Der Staat ist fest davon überzeugt, dass weniger bürokratische Hürden zu selbstsichereren und erfahreneren Fahranfängern führen wird.
Ofelia Venneman, Sprecherin des Infrastrukturministeriums, verteidigt die neue Regelung. Sie betont, dass der frühere Kurs schlicht nicht mehr seinen ursprünglichen Zweck erfüllt habe. „Diese Änderung erweitert die Möglichkeiten zum regelmäßigen Üben erheblich. Angehende Fahrer werden dadurch deutlich besser vorbereitet in ihre Prüfungen gehen,“ erklärt Venneman.
Fahrschulen warnen vor den Risiken der Laienerziehung
Nicht alle teilen diese Begeisterung. Mehrere Berufsverbände und professionelle Fahrschulen stehen den gelockerten Vorschriften äußerst kritisch gegenüber.
Ihr Hauptkritikpunkt: Genau jener abgeschaffte Kurs vermittelte Laienbegleitern das notwendige pädagogische Handwerkszeug. Er zeigte ihnen, auf welche Fähigkeiten und kritischen Situationen sie beim Fahren mit dem Schüler besonders achten sollten.
Kickan Franzén, Vertreterin einer der betroffenen Fahrschulen, ist überzeugt, dass die eigentlichen Folgen dieser politischen Entscheidung erst mit einigem zeitlichen Abstand sichtbar werden.
„Anfangs werden wir kaum einen Unterschied spüren, weil noch viele den alten Kurs frisch im Gedächtnis haben. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dies langfristig negative Auswirkungen haben wird,“ betont die erfahrene Fahrlehrerin.
Ihre größte Sorge gilt dem fehlenden systematischen Ansatz im Unterricht. Sie befürchtet, dass viele private Begleitpersonen schlichtweg nicht wissen werden, wie sie eine effektive und lehrreiche Fahrstunde aufbauen sollen. Schon heute erlebt sie regelmäßig Schüler, deren Begleiter Schwierigkeiten mit dem strukturierten Üben haben – ohne jede Vorbereitung dürfte sich dieses Problem weiter verschärfen.
Gleichzeitig appelliert Franzén an ein hohes Maß an Eigenverantwortung. „Wer neben einem unerfahrenen Fahrschüler sitzt, braucht eine enorme Portion Selbstreflexion. Leider gibt es im Straßenverkehr immer Leichtsinnige – und das müssen wir einfach ernst nehmen,“ fügt sie hinzu.
So wirken sich die Änderungen auf den Alltag im Straßenverkehr aus
Fachleute und Verkehrsexperten gehen davon aus, dass die neuen Regeln rasch zu einer spürbar höheren Zahl unsicherer Fahrer auf den Straßen führen werden.
Erfahrene Verkehrsteilnehmer sind daher gut beraten, besonders viel Geduld mitzubringen. Sicherheitsabstand halten und Fahranfängern ausreichend Zeit und Raum für ihre Manöver lassen – das wird wichtiger denn je.
Überblick: Die Änderungen ab dem 1. August 2026
- Begleitpersonen beim privaten Übungsfahren müssen keinen vorbereitenden Einführungskurs mehr absolvieren.
- Die Pflicht, vorab eine offizielle Genehmigung bei den Verkehrsbehörden einzuholen, bleibt unverändert bestehen.
- Das neue Gesetz macht es deutlich einfacher und rechtlich unbedenklich, zwischen verschiedenen Begleitpersonen zu wechseln.
Für alle angehenden Fahrer bedeutet das in erster Linie weniger Bürokratie vor der ersten Fahrt auf dem Asphalt. Die Fahrschulen mahnen jedoch gleichzeitig zur erhöhten Aufmerksamkeit – wenn diese weniger geübten Gespanne in den dichten Verkehr einbiegen, ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragter als je zuvor.










