Was ist ein Kräuterrasen eigentlich?
Stellen Sie sich vor, zwischen den Grashalmen blühen Gänseblümchen, Klee und Thymian – genau das ist die Grundidee hinter dem Kräuterrasen. Robuste Gräsersorten bilden dabei die Basis, ergänzt durch blühfreudige Wiesenkräuter. Die Wuchshöhe hält sich typischerweise bei 10 bis 20 Zentimetern.
Anders als eine hochgewachsene Wildblumenwiese bleibt diese Fläche jederzeit betretbar. Kinder können dort uneingeschränkt spielen. Im Handel finden Sie entsprechendes Saatgut häufig unter Bezeichnungen wie Klimarasen oder Kräuter-Rasenmischung.
Vom Einheitsgün zur blühenden Vielfalt: Warum Kräuterrasen überzeugt
Der englische Rasen galt lange als Statussymbol gepflegter Gärten – stets frisch gemäht, makellos grün. Doch hinter dieser tadellosen Fassade verbirgt sich ökologische Leere: kaum Insekten, keine Vielfalt, wenig Leben. Wer das verändern möchte, ohne den Garten verwildern zu lassen, findet im Kräuterrasen eine überzeugende Alternative.
Verglichen mit klassischem Zierrasen hat er klare Vorteile – und ist dabei keineswegs ein Kompromiss, sondern das Beste aus zwei Welten:
- Mehr Biodiversität: Blühende Kräuter versorgen Bienen, Schmetterlinge und Käfer mit Nektar und Pollen.
- Deutlich weniger Pflege: Kein Düngen, kein Vertikutieren, kein regelmäßiges Wässern nötig.
- Klimaresistent: Kräuter überstehen Trockenperioden erheblich besser als klassische Rasengräser und erholen sich schneller davon.
- Trittfest und nutzbar: Im Gegensatz zur hohen Blumenwiese eignet sich der Kräuterrasen problemlos als Spiel- und Liegefläche.
Die richtige Pflanzenwahl: Diese Arten gehören in den Kräuterrasen
Nicht jede Pflanze ist für einen Kräuterrasen geeignet. Gefragt sind Arten, die niedrig wachsen, Mähstress vertragen und auch in Trockenzeiten durchhalten. Diese Pflanzen haben sich besonders bewährt:
- Weißklee: Bodendeckend, langblühend und praktisch – er bindet Stickstoff aus der Luft und macht Düngen überflüssig.
- Herbst-Löwenzahn: Blüht bis weit in den Herbst hinein und ist für zahlreiche Wildbienenarten eine unverzichtbare Nahrungsquelle.
- Wiesen-Flockenblume: Robuste Staude mit lila Blüten, außerordentlich wertvoll für Bienen, Schmetterlinge und Käfer gleichermaßen.
- Kleine Pimpinelle: Unscheinbar, aber ökologisch bedeutsam – Blüten und Blätter sind essbar, und die Pflanze zieht viele Schwebfliegen an.
- Kriechender Günsel: Breitet sich flach über den Boden aus, ist sehr trittfest und liefert bereits im Frühling frühe Blüten.
- Orangerotes Habichtskraut: Leuchtend orangefarbene Blüten, ideal für trockene und magere Böden, wird von Schmetterlingen und Schwebfliegen besucht.
- Gänseblümchen: Robust, frühblühend, anspruchslos und bei einer Vielzahl von Insekten äußerst beliebt.
- Schafgarbe: Aromatisch, schnittverträglich und selbst in längeren Trockenperioden zuverlässig blühend.
Fertige Saatgutmischungen aus dem Fachhandel bieten eine praktische Ausgangsbasis. Achten Sie dabei darauf, dass die Mischung überwiegend mehrjährige, niedrigwüchsige und schnittverträgliche Arten enthält, die zum jeweiligen Standort passen. Nur so entsteht langfristig ein stabiles, sich selbst tragendes Gleichgewicht.
Welche Flächen eignen sich für einen Kräuterrasen?
Im Prinzip lässt sich jede klassische Rasenfläche in einen Kräuterrasen verwandeln – vom Spielbereich über Graswege bis hin zu Randzonen. Entscheidend ist vor allem ein möglichst sonniger, höchstens halbschattiger Standort.
Wildkräuter stammen von Magerwiesen und gedeihen daher auf nährstoffarmen Böden besonders gut. Auf stickstoffreichem Gartenboden setzen sich hingegen die Gräser durch und verdrängen die Kräuter. Wer einen nährstoffreichen Boden hat, sollte diesen vor der Einsaat großzügig mit grobkörnigem Sand durchmischen, um ihn abzumagern.
Bestehenden Rasen schrittweise umwandeln
Wer bereits eine Rasenfläche besitzt, kann diese mit erstaunlich wenig Aufwand schrittweise zum Kräuterrasen entwickeln. Im Wesentlichen geht es darum, den Rasen einfach in Ruhe zu lassen:
- Das Düngen konsequent und dauerhaft einstellen.
- Seltener mähen und auf das Jäten verzichten. Als Faustregel gilt: erst mähen, wenn der Rasen etwa 20 Zentimeter hoch ist – dann mit der höchsten Mähstufe.
- Wildkräuter wie Klee, Gänseblümchen, Ehrenpreis oder Schlüsselblumen siedeln sich nach und nach von selbst an.
- Wer nachhelfen möchte, kann an einzelnen Stellen Grassoden ausstechen und dort gezielt Kräutersaatgut einsäen. Lichtkeimer einfach andrücken, nicht einharken.
- Optional: Frühblüher wie Krokusse, Traubenhyazinthen oder Wildtulpen setzen, die früh im Jahr wichtige Nahrungsquellen für Hummeln und Wildbienen bieten.
Renaturierung braucht Geduld
War der Rasen in der Vergangenheit regelmäßig gedüngt, sollten Sie dem Prozess etwas Zeit geben. Nach einer Weile stellt sich ein natürliches Gleichgewicht von selbst ein.
Kräuterrasen neu anlegen: So gehen Sie vor
Wer von Grund auf neu beginnt, hat den Vorteil, die Bedingungen von Anfang an optimal setzen zu können. Der beste Zeitraum für die Aussaat ist April bis Mai oder August bis September. So gehen Sie dabei vor:
- Regionales Saatgut kaufen, das gut an Boden und Klima angepasst ist. Pro Quadratmeter rechnen Sie je nach Mischung mit 5 bis 15 Gramm Saatgut.
- Vorhandenen Rasen entfernen und den Boden gegebenenfalls umgraben oder fräsen.
- Alle Wurzeln und Steine beseitigen, die Fläche eben harken. Bei sehr nährstoffreichem Boden großzügig Sand unterarbeiten, um die Erde abzumagern.
- Die Samen mit etwas Sand strecken – so lassen sie sich deutlich gleichmäßiger ausbringen. Am besten kreuzweise vorgehen.
- Samen anschließend nur leicht andrücken. Auf das Einharken verzichten, da die meisten Kräuter Licht benötigen, um keimen zu können.
- In den ersten Wochen gleichmäßig feucht halten, bis das Saatgut gekeimt ist. Die Fläche in dieser Zeit möglichst wenig betreten.
Danach ist vor allem Geduld gefragt. Wildkräuter wachsen anfangs zögerlicher als gewöhnliche Ziergräser. Ein dichter, geschlossener Teppich entsteht typischerweise erst im zweiten Jahr nach der Aussaat. Danach kommt der Kräuterrasen fast ohne Pflege aus – gemäht wird lediglich 4 bis 8 Mal im Jahr, stets mit der höchsten Schnitthöhe und nie kürzer als 4 Zentimeter.
Die wichtigsten Fragen und Antworten
Was ist ein Kräuterrasen und was wächst darin?
Ein Kräuterrasen verbindet robuste Gräser mit blühenden Wiesenkräutern wie Gänseblümchen, Klee und Thymian. Mit einer Wuchshöhe von 10 bis 20 Zentimetern bleibt er niedrig genug, um ihn zu betreten und als Spiel- oder Liegefläche zu nutzen. Im Handel ist er häufig als Klimarasen oder Kräuter-Rasenmischung erhältlich.
Welche Pflanzen eignen sich für einen Kräuterrasen?
Bewährt haben sich niedrig wachsende, schnittverträgliche und trockenheitsresistente Arten: Weißklee, Gänseblümchen, Schafgarbe, Kriechender Günsel und Wiesen-Flockenblume. Ergänzt durch Herbst-Löwenzahn, Kleine Pimpinelle und Orangerotes Habichtskraut entsteht eine artenreiche Fläche, die Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen gleichermaßen anzieht.
Wie oft muss ein Kräuterrasen gemäht werden?
Ein etablierter Kräuterrasen wird nur vier- bis achtmal im Jahr gemäht – deutlich seltener als klassischer Zierrasen. Dabei immer mit der höchsten Schnitthöhe arbeiten und nie kürzer als vier Zentimeter schneiden. Gemäht wird erst, wenn der Rasen rund 20 Zentimeter hoch ist, damit Kräuter und Insekten ausreichend Zeit zum Gedeihen haben.
Was muss ich beim Boden beachten, damit sich Wildkräuter durchsetzen können?
Wildkräuter stammen von Magerwiesen und bevorzugen nährstoffarme Böden. Auf stickstoffreichem Gartengrund setzen sich stattdessen die Gräser durch und verdrängen die Kräuter. Wer einen nährstoffreichen Boden hat, sollte ihn vor der Anlage großzügig mit grobkörnigem Sand abmagern – und dauerhaft auf jegliches Düngen verzichten.










