Ein historisches Haushaltsloch reißt sich auf
In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 erlebte die russische Staatskasse einen beispiellosen Einbruch. Das föderale Budget verzeichnete ein gewaltiges Defizit von 6.455 Milliarden Rubel – umgerechnet rund 64,4 Milliarden Euro. Dieses Finanzloch entspricht etwa 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und zeigt deutlich, wie stark die Schere zwischen Einnahmen und tatsächlichen Ausgaben auseinanderklafft.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr lag man rund 70 Prozent über dem ursprünglich verabschiedeten Jahresbudget, das lediglich ein Minus von 3.786 Milliarden Rubel vorsah. Der Hauptgrund für diese drastische Überschreitung ist eine aggressive Vorfinanzierung nationaler Projekte. Die Behörden zahlten schlicht riesige Summen zu Jahresbeginn aus, anstatt sie gleichmäßig über alle zwölf Monate zu verteilen.
Ende August offenbarten interne Kontrollsysteme eine noch düsterere Realität: ein finanzieller Abgrund von 8.654 Milliarden Rubel, was mehr als 86 Milliarden Euro entspricht. Dabei ist zu beachten, dass die monatlichen Routinesteuereinnahmen in dieser Aufstellung noch nicht berücksichtigt waren – was das Endergebnis beim Eingang der Gelder noch etwas aufhellen könnte.
Drastische Kürzungen treffen die ungeschützten Haushaltsbereiche
Die harte Sparpolitik folgt auf eine schwere Liquiditätskrise im Frühjahr. Damals warnten hochrangige Regierungsvertreter eindringlich davor, dass bald keine Mittel mehr zur Deckung laufender Verpflichtungen vorhanden sein würden. Auf dem Höhepunkt der Krise fehlten auf dem staatlichen Hauptkonto unfassbare 5.500 Milliarden Rubel.
Die umfangreichen Einsparungen treffen jedoch nicht wahllos. Die Behörden haben eine Reihe geschützter Kategorien festgelegt, die unter allen Umständen mit Mitteln versorgt werden müssen. Diese unverzichtbaren Posten umfassen:
- Militär- und Verteidigungsausgaben
- Sozialleistungen für die Bevölkerung
- Gehälter für Staatsbedienstete
- Lebenswichtige Zuwendungen an die einzelnen Regionen
- Zinszahlungen zur Bedienung der Staatsschulden
Für alle übrigen Staatsbehörden hingegen galt die Anweisung, sämtliche nicht notwendigen Anschaffungen sofort einzustellen. Zudem wurden die Leitungsebenen verpflichtet, Notfallpläne für eine mögliche Personalreduzierung um 15 Prozent auszuarbeiten. Vorerst handelt es sich dabei jedoch ausschließlich um vorbereitende Szenarien – keine laufende Entlassungswelle.
Die Jahresendabrechnung könnte noch deutlich höher ausfallen
Bereits zur Jahresmitte zeichnete sich ab, dass die ursprünglichen Haushaltspläne weit verfehlt wurden, als das Defizit die Marke von 5.731 Milliarden Rubel – rund 57,1 Milliarden Euro – überstieg. Diese besorgniserregende Entwicklung lässt Wirtschaftsexperten die Stirn runzeln. Dabei war das Jahr mit optimistischen Erwartungen auf eine deutlich gesündere Haushaltslage und ein spürbar niedrigeres Schuldenniveau gestartet.
Auch wenn es normal ist, dass staatliche Bilanzen je nach Zahlungsfristen monatlich schwanken, fällt das Loch aus dem ersten Halbjahr deutlich tiefer aus als erwartet. Neue Regierungsberechnungen deuten darauf hin, dass das Gesamtdefizit am Jahresende voraussichtlich zwischen 3,2 und 3,8 Prozent des BIP betragen wird. In realen Zahlen ausgedrückt sprechen wir von einem astronomischen Betrag von rund 9.000 Milliarden Rubel – knapp 90 Milliarden Euro.
Sollten sich diese düsteren Prognosen bewahrheiten, wird der endgültige Verlust der Staatskasse um ein Vielfaches größer sein als von den Politikern bei der Haushaltsverabschiedung versprochen. Die angepasste Realität sendet ein unmissverständliches Signal: Selbst die bereits spürbaren, massiven Kürzungen bei den Zivilausgaben dürften kaum ausreichen, um die angeschlagenen Staatsfinanzen zu sanieren und die Bücher wieder ins Gleichgewicht zu bringen.










