Der klassische Urlaub in den USA verliert seinen Reiz
Was jahrzehntelang als selbstverständlich galt, ist für viele Kanadier längst keine Option mehr: der Ferientrip in den Süden, direkt über die Grenze. Aktuelle Regierungsdaten belegen ein deutliches Umdenken bei den Reisegewohnheiten, das die amerikanische Tourismusbranche spürbar unter Druck setzt. Dieser Wandel lässt sich unmittelbar mit dem politischen Klima verknüpfen, seitdem Donald Trump erneut ins Weiße Haus eingezogen ist. Statt wie gewohnt Richtung USA zu reisen, entscheiden sich die nördlichen Nachbarn zunehmend dafür, Europa und Asien zu erkunden.
Milliarden fließen an Amerika vorbei
Die wirtschaftlichen Folgen dieses Boykotts schlagen sich unmittelbar in der US-Wirtschaft nieder. Im Jahr 2025 gaben kanadische Touristen insgesamt 18,8 Milliarden kanadische Dollar in den Vereinigten Staaten aus – das entspricht einem massiven Rückgang von 3,3 Milliarden im Vergleich zum Vorjahr.
Das Geld wird trotzdem ausgegeben, nur eben anderswo auf der Welt. Die Ausgaben außerhalb der USA sind regelrecht explodiert: Kanadier investierten ganze 22,8 Milliarden Dollar in Reisen zu anderen Destinationen – ein jährlicher Anstieg von bemerkenswerten 3,6 Milliarden.
Fachleute beobachten, dass sich die Reiselust mit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung quasi über Nacht verändert hat. Besonders die Rückkehr zur America-First-Strategie spielte dabei eine entscheidende Rolle – verstärkt durch umstrittene Aussagen über eine mögliche Annexion Kanadas durch die USA. Diese aggressive Rhetorik löste bei den Kanadiern eine schnelle und entschlossene Gegenbewegung aus.
Europa und Asien verzeichnen Rekordnachfrage
Anstatt auf den Urlaub zu verzichten, haben die reisefreudigen Kanadier ihr Budget schlicht auf andere Kontinente verlagert. Die Nachfrage nach europäischen Reisezielen stieg um knapp 14 Prozent, während asiatische Länder sogar ein noch kräftigeres Wachstum von fast 17 Prozent verbuchen konnten.
Die zahlreichen Fernreisen kompensieren damit vollständig die Lücke, die der Wegfall der USA-Trips hinterlassen hat. Rückreisen aus den Vereinigten Staaten – ob per Auto oder Flugzeug – brachen im Jahr 2025 insgesamt um ein Viertel ein.
Den absoluten Tiefpunkt markierte der Ferienmonat Juli. In diesem besonders beliebten Reisemonat sank die Zahl der Grenzübertritte um ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Der historische Boykott setzt sich bis 2026 fort
Der anhaltende Touristenrückgang ist ein in der jüngeren Geschichte völlig beispielloses Phänomen. Branchenanalysen sprechen von einem historisch tiefen und langanhaltenden Einbruch des Reiseinteresses, der seinesgleichen sucht.
Um das ganze Ausmaß einzuordnen: Man muss bis in den September 2001, unmittelbar nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center, zurückblicken, um einen vergleichbaren Rückgang der Reisenden von über 30 Prozent zu finden.
Die vorläufigen Prognosen für 2026 lassen weder amerikanische Hotelbesitzer noch den Einzelhandel auf eine baldige Erholung hoffen. Die Reiseaktivität aus Kanada ist nahezu eingefroren – private Ferienreisen gingen gegen Ende des vergangenen Jahres um weitere 27 Prozent zurück.
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Es handelt sich hier keineswegs um eine kurzfristige Verstimmung. Vielmehr zeichnet sich ein tiefgreifender und dauerhafter Wandel in den Reisegewohnheiten ab, der den grenzüberschreitenden Tourismus noch weit in die Zukunft hinein prägen wird.










